Seljalandsfoss – Das Tor hinter dem Wasser

Wo

Im Süden Islands, in der weiten Region Suðurland, erhebt sich der Seljalandsfoss wie ein schimmernder Vorhang aus Wasser direkt nahe der Ringstraße. Zwischen Selfoss und Skógar gelegen, nahe dem kleinen Ort Hvolsvöllur, ist er schon aus der Ferne sichtbar. Gespeist vom Fluss Seljalandsá, dessen Wasser vom Gletscher Eyjafjallajökull herabfließt, wirkt er wie ein natürliches Portal zwischen Himmel, Fels und Ebene.

Wann

Der Wasserfall ist das ganze Jahr über zugänglich, doch jede Jahreszeit schenkt ihm eine andere Seele. Im Sommer leuchtet das Moos in sattem Grün, die Tage scheinen endlos und die untergehende Sonne taucht das Wasser in Gold. Im Winter dagegen gefriert die Gischt zu gläsernen Ornamenten, und der Weg hinter dem Wasser wirkt wie eine Passage durch eine Eiskathedrale. Besonders früh am Morgen oder zur Abenddämmerung entfaltet sich eine fast meditative Stimmung.

Größe / Fläche

Mit rund 65 Metern Höhe stürzt das Wasser frei in ein natürliches Becken. Die Breite variiert je nach Wasserführung, doch es ist weniger die Dimension als die Möglichkeit, den Wasserfall vollständig zu umrunden, die Seljalandsfoss so einzigartig macht. Hinter dem herabstürzenden Wasserschleier verläuft ein schmaler Pfad – ein Erlebnis, das in Europa nur wenige Wasserfälle bieten.

Umgebung

Der Wasserfall fällt von einer ehemaligen Meeresklippe, Relikt einer Zeit, als der Atlantik weiter ins Landesinnere reichte. Heute breitet sich davor eine weite Küstenebene aus, durchzogen von grünen Hügeln und vulkanischem Gestein. Nur wenige Gehminuten entfernt verbirgt sich der geheimnisvolle Gljúfrabúi, halb versteckt in einer Felsspalte – ein stiller, fast privater Bruder des großen Seljalandsfoss.

Klima

Das Klima ist typisch atlantisch: wechselhaft, windig und feucht. Selbst im Sommer steigen die Temperaturen selten über 18 Grad. Die Gischt legt sich wie ein feiner Nebel auf Kleidung und Haut, weshalb wasserdichte Ausrüstung unverzichtbar ist.

Tipps & Anekdote

Wer den Weg hinter dem Wasser betritt, sollte sich Zeit nehmen. Das Gefühl, durch den Wasserschleier zu schreiten, ist beinahe surreal. Einer lokalen Erzählung nach sollen in den Felsen hinter dem Wasser einst verborgene Wesen – die Huldufólk, das isländische „verborgene Volk“ – gelebt haben. Manche Reisende berichten noch heute, dass sie dort eine eigentümliche Stille spüren, als würde der Fels selbst atmen.